ValIndex Research/Corporate Governance· Nationale Studie

Verwaltungsrats-Paralyse in der Schweiz

Jedes dritte revidierte Schweizer KMU hat keine gültige Unterschrift, wenn sein Hauptverwaltungsrat stirbt

Eine nationale Analyse aller 432'445 aktiven Unternehmen im Schweizer Handelsregister zeigt: 32% der revidierten KMU – und 41% in der französischsprachigen Schweiz – könnten am Tag des Todes ihres Hauptunterzeichners keinen einzigen rechtsverbindlichen Akt mehr ausführen. Diese Fragilität ist struktureller Natur, heute in offenen Daten sichtbar und entlang des Sprachgrabens konzentriert.

ValIndex Research · Alain Walder, M.A. HSG||10 Min. Lesezeit
32%
der revidierten KMU von Paralyse bedroht
12'362 von 38'913 revidierten, aktiven Unternehmen
26%
haben einen einzigen Verwaltungsrat
10'044 Unternehmen mit Einzelverwaltungsrat
41%
Risikoquote in der französischsprachigen Schweiz
2,5× höher als in der Deutschschweiz
100%
der gefährdeten Firmen haben keine Ersatzunterschrift
per Definition – keine verfügt über eine individuelle Einzelunterschrift in Reserve

Abdeckung. 432'445 aktive Unternehmen über alle 26 Kantone analysiert; 89% mit gegen das Handelsregister verifiziertem Verwaltungsrat. Analytische Teilmenge: 38'913 revidierte Unternehmen. Datenstand: Juni 2026.

Zusammenfassung

Das schweizerische Gesellschaftsrecht überlässt es dem Verwaltungsrat, die Zeichnungsberechtigung festzulegen. Die häufigste Konstellation – ein einzelner Verwaltungsrat mit Einzelunterschrift oder zwei Verwaltungsräte mit reiner Kollektivunterschrift – ist effizient, bis der Hauptunterzeichner stirbt. In diesem Moment kann die Gesellschaft keinen neuen rechtsverbindlichen Akt mehr vornehmen: Verträge, Anstellungen, Kreditlinien und Bankänderungen sind allesamt blockiert, bis der Mangel gerichtlich behoben ist.

ValIndex hat die Zeichnungsstruktur jedes aktiven Unternehmens im Schweizer Handelsregister über alle 26 Kantone hinweg analysiert. Von den 38'913 revidierten Unternehmen (Näherungswert für ≥10 Beschäftigte gemäss Art. 727 OR) hätten 12'362 – 32% – am Todestag ihres Hauptunterzeichners kein tragfähiges Unterschriftenpaar. Per Definition verfügt keines von ihnen über eine individuelle Ersatzunterschrift.

Die Exposition ist ungleich verteilt. Die französischsprachige Schweiz weist eine Risikoquote von 41% auf – 2,5× so hoch wie die Deutschschweiz –, dicht gefolgt vom Tessin mit 38%. GmbH weisen eine doppelt so hohe Einzelverwaltungsrat-Quote auf wie AG (44% gegenüber 22%). Das Muster folgt der Wahl der Rechtsform und der Grösse des Verwaltungsrats – strukturelle, im öffentlichen Register erfasste Merkmale – und nicht etwa der Unternehmensleistung.

Die drei Fehlermodi

T1
T2a
T3a
Geschützt 68%

32% von 38'913 revidierten Unternehmen (12'362) fallen in einen von drei Fehlermodi – keines mit einer tragfähigen Ersatzunterschrift.

T1Einzelverwaltungsrat

26%10'044

Ein einziges Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunterschrift. Kein eingetragener Stellvertreter, kein Kollektivpaar in Reserve. Stirbt diese Person, hat die Gesellschaft keinen rechtlichen Vertreter mehr.

T2aFalsche Redundanz

2%705

Ein zweiköpfiger Verwaltungsrat, bei dem eine Person einzeln und die andere nur kollektiv zeichnet. Kein zusätzlicher Zeichnungsberechtigter ausserhalb des Verwaltungsrats. Nach dem Tod des Einzelunterzeichners hat die verbleibende Person niemanden zum Mitzeichnen.

T3aFragiles Duo

4%1'613

Ein zweiköpfiger Verwaltungsrat, bei dem beide Mitglieder nur kollektiv zeichnen können. Ein einziger Todesfall lässt niemanden mehr zeichnungsfähig zurück.

Der Röstigraben in Governance-Daten

41%
Französischsprachige Schweiz (Romandie)
38%
Tessin (italienischsprachig)
16%
Deutschschweiz
ZHBELUURSZOWNWGLZGFRSOBSBLSHARAISGGRAGTGTIVDVSNEGEJU
Niedriger
Höheres Risiko
Am stärksten betroffener Kanton
Fribourg
Französische Schweiz
52.4%
von Paralyse bedroht — 2'503 von 4'774 revidierten Unternehmen

Fahren Sie über einen Kanton. Die Färbung reicht von 11% (am hellsten) bis 52% (am dunkelsten). Die lateinischsprachigen Kantone der West- und Südschweiz bilden ein nahezu zusammenhängendes Hochrisiko-Band.

Risiko der Verwaltungsrats-Paralyse bei revidierten, aktiven Unternehmen nach Kanton (T1+T2a+T3a). Die lateinischsprachigen Kantone der West- und Südschweiz bilden ein nahezu zusammenhängendes Hochrisiko-Band – der Röstigraben, sichtbar in Governance-Daten.

Alle 26 Kantone, rangiert

FRFribourg
52.4%
NENeuchâtel
51.9%
VSValais
45.7%
TITicino
37.6%
GEGeneva
36%
JUJura
34.5%
VDVaud
32.9%
URUri
26.2%
ZGZug
22.7%
SZSchwyz
22.5%
OWObwalden
19.7%
BSBasel-Stadt
19.6%
GRGrisons
19.1%
ZHZurich
15.9%
LULucerne
15.2%
NWNidwalden
15%
TGThurgau
14.7%
SGSt. Gallen
14.6%
BLBasel-Landschaft
14.5%
BEBern
14%
SOSolothurn
13.8%
GLGlarus
13.6%
ARAppenzell A.Rh.
13.1%
AIAppenzell I.Rh.
12%
SHSchaffhausen
11.8%
AGAargau
10.8%

Das Gefälle ist deutlich und konsistent. Die sieben am stärksten exponierten Kantone sind allesamt französisch- oder italienischsprachig; abgesehen vom Kleinkanton Uri (n=84) liegt jeder deutschsprachige Kanton unter 23%. Der am stärksten und der am wenigsten exponierte Kanton unterscheiden sich um fast das Fünffache (Freiburg 52% gegenüber Aargau 11%).

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Diese Studie zitieren

ValIndex (2026). Verwaltungsrats-Paralyse in der Schweiz – Nationale Studie. ValIndex Research, Juni 2026. https://valindex.ch/de/research/board-paralysis-2026/

Laut der nationalen ValIndex-Studie 2026 könnten 32% der revidierten Schweizer KMU – und 41% in der französischsprachigen Schweiz – keinen einzigen rechtsverbindlichen Akt unterzeichnen, wenn ihr Hauptunterzeichner stürbe (Datenstand: Juni 2026).

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